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Religiöse Volkskunst

Das Interesse für Volkskunst beschränkt sich in der Gegenwart vor allem auf öffentliche oder private Sammlungen, auf Erwerb oder Restaurierung. Volkskunst spielt eine besondere Rolle im Tourismus und bildet eine eigene Einkommensquelle. Es ist nicht immer einfach, durch Kommerz und Dekorationsgewohnheiten zu den eigentlichen Wurzeln dieser Kunst vorzudringen.

Volkskunst gehört zur Lebensgestaltung von Menschen aus unteren Schichten, sie begnügt sich mit schlichtem Material und soliden handwerklichen Techniken, verzichtet auf analytische Reflektion und Einmaligkeit, lebt vom Nachahmen bis hin zur Kopie und von einem primären starken Schmuck- und Gestaltungsbedürfnis. Religiöse Volkskunst gestaltet religiöse Vorstellungen und weist ihnen einen Platz im alltäglichen Leben zu. Der schlichte gläubige Mensch hat den Wunsch, ständig von den Bildern und Symbolen seiner Glaubenswelt umgeben zu sein, ihre Hilfe zu erfahren, in ihrer Geborgenheit zu leben.

Aus diesem Bedürfnis entstand eine reiche, vielgestaltige christliche Volkskunst, die sich nicht nur auf Europa beschränkt, und in der sich unverwechselbar die Seele der Völker spiegelt, sei es in den Hinterglasmalereien der Kroaten, in den bayerischen Marterln und Votivtafeln und Herrgottswinkeln oder den archaischen Holzschnitzereien der Polen. Ein nahezu unübersehbares Feld der religiösen Volkskunst stellen die Krippen und andere biblische Szenarien der Kleinplastik dar, die noch immer ihren festen Platz im religiösen Brauchtum haben.

Die Gestaltungselemente der Volkskunst sind vielfältig. Einen gewissen Vorrang haben starke, ungebrochene Farben und florale Elemente. Gegenstände der Volkskunst sind wegen ihres vergänglichen Materials und ihres häufigen Gebrauchs dem Verschleiß in starkem Maße ausgesetzt und bedürfen daher eines besonderen Schutzes durch Kenner und Liebhaber. 

 

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